Einblicke in ein faszinierendes Phänomen

Die ganze Familie ist angeschlagen. Alle schniefen und husten. Das ältere Geschwisterchen hat sogar Fieber. Nur das neugeborene Baby schlummert friedlich und gesund in seiner Wiege. Dem Nestschutz sei Dank. Kinderärztin Dr. Julia Klingenschmid vom Sanatorium Kettenbrücke erklärt.

Wie der Extraschutz entsteht

Den Nestschutz erhalten Kinder insbesondere in den letzten Wochen vor der Geburt. Die Mutter, die durch Impfung oder überstandene Krankheiten gegen ebendiese immunisiert ist, überträgt über die Plazenta und Nabelschnur ihre Antikörper an das Ungeborene. Daraus resultiert ein passiver Schutz. Dieser besteht auch während den ersten Lebenswochen weiter, nimmt dann aber sukzessive ab. Das Baby ist damit in einer Zeit gegen viele Krankheitserreger abgeschirmt, in der es noch keine eigenen Antikörper bilden kann. „Es gibt daher auch die Empfehlung schwangeren Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel die Vierfachimpfung zu verabreichen, um die Neugeborenen auf diese Weise vor allem gegen Keuchhusten zu schützen“, so Dr. Klingenschmid, die zusammen mit ihren Kolleginnen Dr. Maria Resch und Dr. Katalin Kovacs Teil der Anfang 2023 eröffneten Kinderarztpraxis am Sanatorium Kettenbrücke ist.

Stillen als weiterer Schutzfaktor

Nach der Geburt bekommen Stillkinder weiterhin „Abwehrstoffe“ über die Muttermilch, was den Nestschutz noch zusätzlich verstärkt. „Da sich die Zusammensetzung der Milch aber im Lauf der Monate verändert, verändert sich auch dieser Effekt mit der Zeit“, weiß die Kinderärztin. Der Nestschutz ist in den ersten etwa drei Lebensmonaten besonders gut ausgeprägt und bietet auch in den Wochen danach noch recht gute Immunisierung. Achtung: Kinder können aber, wenn der Schutz nicht ausreicht trotzdem erkranken – etwa im Winter am RS-Virus.

Bei Fieber nicht zögern

Wenn ein Baby in den ersten zwölf Lebenswochen fiebert, bedarf dies kinderärztlicher Abklärung. Für Neugeborene gilt bereits 38 Grad Celsius als Fieber – und nicht wie bei größeren Kindern 38,5 Grad Celsius. Dank ihrer speziellen Immunabwehr sind die Symptome einer Erkrankung aber oft milder als etwa bei älteren Geschwistern. Wichtig: „Der Nestschutz ist kein Ersatz für Impfungen“, mahnt Dr. Klingenschmid.

Von Anfang an bestens betreut

Diese Betreuung erhalten die Kinder etwa in ihrer Gemeinschaftsordination direkt am Sanatorium, die darüber hinaus noch viele weitere Vorteile bietet. Mit der Neueröffnung wurde zum Beispiel das Angebot der Neugeborenen-Betreuung in den ersten Lebenstagen an der einzigen privaten Geburtshilfe Tirols weiter vergrößert. Die kinderärztliche Praxis bietet eine durchgängige Rundumversorgung bis ins Jugendalter.