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Wenn im Urlaub die Verdauung nicht mitmacht

Tipps für entspanntes Reisen von Gastroenterologin Priv.-Doz. Dr. Gunda Millonig

Eine Urlaubsreise soll Entspannung und Erholung bringen. Neben vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen ist das Reisen selbst oft ein einmaliges Erlebnis, vielfach der Höhepunkt des Jahres. Gerade Reisen in ferne Länder oder Abenteuerurlaube fernab der touristischen Trampelpfade sind für viele Menschen reizvoll. So sehr wir das Reisen lieben, so leicht kann es doch passieren, dass unser Körper irritiert ist und gerade die Verdauung nicht mehr mitmacht. Priv.-Doz. Dr. Gunda Millonig, Gastroenterologin und Ernährungsexpertin am Sanatorium Kettenbrücke, gibt Tipps, was bei Verstopfung oder Durchfall im Urlaub hilft.

Wenn der Darm streikt

Längeres Sitzen bei Flügen oder im Bus, die geringere Aufnahme von Ballaststoffen über die Nahrung, die Aufregungen des Reisens oder schwer verfügbare Sanitäreinrichtungen können den persönlichen Biorhythmus stören. Das kann dazu führen, dass in den ersten Urlaubstagen eine Verstopfung auftritt. Hier gilt es zuallererst Ruhe zu bewahren. „Mehrtägige Verstopfungen stellen keine Gefahr für den Körper dar. Solange keine Schmerzen oder Bauchkrämpfe auftreten, besteht kein Anlass zur Sorge“, erklärt Dr. Millonig.

Sanfte Hilfe

Wer bereits weiß, dass er oder sie zu Verstopfung auf Reisen neigt, sollte vorbeugend ein leichtes Mittel nehmen. Dabei sind Medikamente im Gegensatz zu oft üblichen löslichen Ballaststoffen zu bevorzugen. „Ein Abführ-Dragee kann man einfach mit Wasser einnehmen, während etwa die bewährten Flohsamenschalen im Müsli oder Joghurt gelöst werden müssen“, so Dr. Millonig. Auch die Vorhersehbarkeit der Wirkung von Medikamenten ist von Vorteil, wenn man unterwegs ist. Die Angst Vieler vor einer Abhängigkeit vom Abführmittel ist übrigens unbegründet, betont die Ärztin.

Montezumas Rache

Gerade bei Reisen in ferne Länder kommt es oft zu Infektionen übers Essen, die Reisedurchfälle auslösen. Das geschieht über nicht abgefülltes Wasser, Essen, das mit diesem Wasser gewaschen wurde und roh konsumiert wird, oder auch über Eiswürfel in Getränken. „Die beste Vorbeugung hier ist, überwiegend Gekochtes zu essen oder rohes Gemüse und Obst vor Verzehr zu schälen“, rät Dr. Millonig. Der beliebte Schluck Whiskey nach dem Essen als Vorbeugung vor Magen-Darm-Infektionen ist ein Märchen und daher nicht empfehlenswert. Auch die vorbeugende Einnahme von Magensäureblockern ist nicht ratsam, da gerade die Magensäure mit ihrem sauren pH-Wert eine gute Barriere-Wirkung gegen Bakterien hat.

Hausmittel und Medikamente

„Die meisten Reisedurchfälle haben einen selbstlimitierenden Verlauf und dauern nur einige Tage“, erklärt Dr. Millonig. Etwas Ruhe, ausreichendes Trinken und mildes Essen in kleinen Mengen wie Reis, Kartoffel, Joghurt, Bananen oder trockenes Brot sind oft schon genug Therapie. Bei massiven Durchfällen hat sich eine Mischung aus verdünntem Orangensaft mit Salz zum Ausgleich des Elektrolythaushalts bewährt. Das Medikament Imodium hilft, die Frequenz der Durchfälle zu bremsen. Tritt jedoch hohes Fieber, Schwindel, blutiger Stuhl oder massiver Flüssigkeitsverlust durch Brechdurchfall auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wer in sehr entlegene Gebiete fährt und tagelang ohne Infrastruktur ist, sollte für solche Fälle ein speziell im Darm wirkendes Antibiotikum mitnehmen.

Beschwerden nach der Rückkehr

Manchmal treten erst zu Hause nach der Reise krampfartige Bauchschmerzen und Durchfall auf, die über längere Zeit nicht besser werden. Hier besteht der Verdacht auf eingeschleppte Parasiten, meist Lamblien. „Betroffene sollten eine Stuhlprobe testen lassen, falls sich die Vermutung bestätigt, ist das leicht behandelbar“, meint Dr. Millonig.

Gut vorbereitet steht damit Reisen bis in die entlegensten Gebiete der Erde nichts im Weg. Lesen Sie dazu auch unsere Tipps für die Reiseapotheke mit Dr. Scola. Schließlich soll man die schönste Zeit des Jahres in vollen Zügen genießen und unbeschwert neue Eindrücke sammeln können.

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