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Wenn die Tage grau und die Nächte lang werden

Ein Mann spaziert im nebligen Park

Der Herbstdepression richtig entgegenwirken

Nebel am Morgen, der erste Raureif auf den Wiesen und immer schwächere Sonnenstrahlen – so kündigt sich die kalte Jahreszeit an. Viele Menschen fühlen sich an diesen grauen Tagen in Herbst und Winter niedergeschlagen. Manche haben eine Herbstdepression. Was ist das für eine Erkrankung, welche Symptome sind zu beachten und wann braucht man professionelle Hilfe beim Arzt? Dr. Nicole Kaufmann-Riegler, Fachärztin für Psychiatrie mit eigener Praxis am Sanatorium Kettenbrücke, erklärt das Phänomen dieser besonderen Reaktion des Körpers auf den Jahreszeitenwechsel.

Alles eine Frage der Hormone

„Die Herbstdepression wird durch eine Veränderung der Hormon- und der Neurotransmitterproduktion im Körper ausgelöst“, erklärt Dr. Kaufmann-Riegler. Diese Veränderung hat ihre Ursache in der fehlenden Lichteinwirkung in der dunklen Jahreszeit. Bekommt der Körper nicht ausreichend Sonnenlicht, fährt die Produktion des Hormons Melatonin hinauf, das für den Tag-Nacht-Rhythmus zuständig ist. Wir werden schneller müde. Parallel sinkt auch der Serotonin-Spiegel, also die Produktion jenes Hormons, dessen Fehlen nachweislich Depression auslöst.

Symptome richtig deuten

Die Herbstdepression äußert sich in einem stark erhöhten Schlafbedürfnis und steht somit im Gegensatz zur normalen Depression, die eher mit Schlaflosigkeit verbunden ist. Typisch ist zudem ein Heißhunger auf Süßes, während bei der normalen Depression eher Appetitlosigkeit auftritt. Bei beiden Arten der Depression sind die betroffenen PatientInnen unausgeglichen, energie- und antriebslos, vernachlässigen soziale Kontakte und auch sich selbst.

Ab wann spricht man von Herbstdepression?

„Nicht jede depressive Verstimmung ist gleich eine Depression. Entscheidend ist der Leidensdruck der Betroffenen“, so Dr. Kaufmann-Riegler. Wenn der depressive Zustand das Alltags-, Familien- und Berufsleben beeinträchtigt, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Depression. Tritt der Zustand mehrere aufeinanderfolgende Herbst- bzw. Wintersaisonen auf, dürfte eine Herbstdepression vorliegen. Zur genauen Abklärung und Diagnose empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen.

Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten

Viel in die Natur gehen - möglichst am Morgen - hilft, die Hormonproduktion auch in der dunklen Jahreszeit einigermaßen in Schwung zu halten. Bewegung und frische Luft helfen ebenso wie Lichttherapie mit speziellen im Handel erhältlichen Lux-Lampen. „Bei Herbstdepression hilft es, die Tage mit einem klar strukturierten Programm an Aktivitäten durchzuplanen. So wirkt man der Antriebslosigkeit entgegen“, rät Dr. Kaufmann-Riegler.

Medikamente für mehr Serotonin

Wenn mit den sanften Maßnahmen die gewünschte Wirkung ausbleibt, gibt es die Möglichkeit der medikamentösen Therapie unter ärztlicher Aufsicht. Hier werden sogenannte SSRIs (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt, die dafür sorgen, dass im Körper wieder mehr Serotonin produziert wird. Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt dafür eine fundierte Diagnose erstellt, das für die/den jeweilige/n PatientIn richtige Präparat wählt und über Nebenwirkungen informiert. „Ergänzend macht eine verhaltensorientierte Psychotherapie Sinn“, sagt die Fachärztin.

Die moderne Medizin bietet damit ein ganzheitliches Paket zur effizienten Hilfe bei jahreszeitlich bedingter Herbstdepression.

Foto: shutterstock