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Wenn der Kopf platzt

Frau liegt im Bett mit Kopfschmerzen

Migräneattacken beeinträchtigen das Wohlbefinden – Dr. Bellinger, Fachärztin für Neurologie erläutert die neuesten Behandlungsmöglichkeiten

Draußen scheint die Sonne, die Vögel zwitschern und man hört Kinderlachen aus der Ferne. Für die Patientin ist das jedoch Nebensache. Sie liegt bei geschlossenen Fenstern in ihrem abgedunkelten Schlafzimmer. Helles Licht und Geräusche verstärken ihre pulsierenden Kopfschmerzen nur noch mehr. In einigen Stunden, vielleicht erst am nächsten Tag, ist ihre Migräne vorbei. Dr. Susanne Bellinger, Fachärztin für Neurologie am Sanatorium Kettenbrücke, erklärt Ursachen von und neue Behandlungsmethoden für Migräne-Anfälle.

Und plötzlich geht es los

Migräne ist neben Spannungskopfschmerz die häufigste Form von Kopfschmerzen. In der Regel treten erste Symptome zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr auf. „Bei Migräne kommt es zu heftigen Kopfschmerzattacken, die pulsierend und stechend sein können. Bei den meisten Patientinnen und Patienten sind die Kopfschmerzen einseitig, sie können aber auch die Seite wechseln oder den ganzen Kopf betreffen“, so Dr. Bellinger. Eine Migräne dauert meist zwischen vier bis zu 72 Stunden an, häufig kommen Licht- und Lärmempfindlichkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen dazu.

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

In manchen Fällen von Migräne treten zusätzlich zum heftigen Kopfschmerz auch vor dem Kopfschmerz neurologische Symptome auf. Diese reichen von Sehstörungen mit Blitzen vor den Augen über Sprachstörungen bis hin zu Lähmungserscheinungen. In solchen Fällen sprechen ExpertInnen von einer Migräne mit Aura. Die Diagnose der Migräne stützt sich auf eine umfassende Anamnese und einen unauffälligen neurologischen Untersuchungsbefund. Bei einer Migräne mit ungewöhnlichen Symptomen oder Aura wird zusätzlich noch eine Bildgebung des Kopfes vorgenommen. Eine definitive Diagnose lässt sich nach mindestens fünf Kopfschmerzattacken stellen.

Hilfe bei Schmerzattacken

Migräne wird je nach Schwergrad unterschiedlich behandelt. Bei der Akuttherapie kommen Schmerzmittel wie etwa Aspirin, Proxen oder Ibuprofen zum Einsatz. Schwere Attacken werden mit Triptanen, migränespezifischen Schmerzmitteln, behandelt. PatientInnen mit drei oder mehr Migräneanfällen pro Monat, die auch länger als 72 Stunden anhalten können, oder insgesamt mehr als sieben Migränetagen monatlich wird zu einer sogenannten Prophylaxe-Therapie geraten. Hier werden verschiedene Mittel wie etwa Betablocker verschrieben, die nach etwa vier Wochen eine erste Wirkung zeigen. Ziel dieser Therapie ist es, die Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken zu reduzieren.

Neue Therapiemöglichkeit für besonders Betroffene

Seit Juli 2018 gibt es ein neues Medikament, das die prophylaktische Behandlung von Migränesymptomen erleichtert. Es wird über eine Spritze von der Ärztin, dem Arzt oder den PatientInnen selbst unter die Haut injiziert. „Das Medikament, ein monoklonaler Antikörper, hemmt den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide). Dieser erweitert im Körper die Gefäße und macht Nerven überempfindlich, was sich wiederum auf die Schmerzweiterleitung und -verarbeitung auswirkt. Hohe CGRP-Werte feuern eine Migräne an, die Spritze schwächt den Botenstoff oder macht ihn ganz wirkungslos “, beschreibt Dr. Bellinger die Wirkweise des neuen Medikaments.

Gute Verträglichkeit

Die geringen Nebenwirkungen – Rötungen an der Einstichstelle und leichte Verstopfung – und die rasche Wirkungsweise des Präparats – schon nach einigen Tagen – machen es zu einer attraktiven Therapieoption. Zugelassen ist es für PatientInnen mit mindestens drei bis vier langanhaltenden Migräneattacken monatlich, denen Akutmedikamente und andere Prophylaxe-Therapien nicht helfen. So finden auch schwer Betroffene zurück zu mehr Wohlbefinden.

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