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Psychische Folgen der Corona-Pandemie verstärken sich

Familie zu Hause arbeiten

Fachärztin für Psychiatrie Dr. Nicole Kaufmann-Riegler über Symptome und Vorbeugung

Seit mittlerweile neun Monaten herrscht eine Art Ausnahmezustand. Österreich ist fest im Griff der Corona-Pandemie. Wir erleben wechselnd restriktive Maßnahmen, befinden uns aktuell im Lockdown und bemühen uns um eine Reduktion der sozialen Kontakte mit allen damit verbundenen psychischen Nachteilen. Seit kurzem mehren sich die psychischen Erkrankungen. Dr. Nicole Kaufmann-Riegler, Fachärztin für Psychiatrie mit Ordination am Sanatorium Kettenbrücke, erklärt warum das so ist und wie in der aktuellen Situation psychischen Problemen entgegengewirkt werden kann.

Die Seele reagiert zeitlich verzögert

„Die erste Phase der Pandemie haben wir einigermaßen gut überstanden. Jetzt häufen sich die psychischen Erkrankungen, weil die Seele zeitlich verzögert reagiert“, erklärt die Fachärztin die Wirkung der außergewöhnlichen Situation. Besonders gefährdet für eine Erkrankung der Psyche sind dabei Menschen, die an Covid19 leiden, ältere Menschen und hier besonders ältere, kränkliche Männer, Alleinlebende und Alleinerziehende. Auch für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen ist die Situation schwierig. „Gerade für jene, die alleine oder mit der gesamten Familie in Quarantäne sind, ist die Belastung erheblich. Wer zusätzlich auf eher beengtem Raum lebt - vielleicht sogar ohne die Möglichkeit nach draußen zu gehen - ist einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt“, so Dr. Kaufmann-Riegler.

Die wichtigsten Symptome

Erkennbar ist die psychische Anspannung in einer Reihe von Symptomen. „Vorhandene Ängste verstärken sich in der Extremsituation, auch depressive Zustände nehmen zu. Und wer zu Suchtverhalten tendiert, wird jetzt auch eine Verstärkung dieser Neigung erleben“, beschreibt die Psychiaterin die Krankheitsbilder. Je nachdem wie ausgeprägt die Symptome sind, können Betroffene versuchen, selbst gegenzusteuern. Bei erhöhtem Leidensdruck ist professionelle Hilfe wichtig.

Was man selbst tun kann

Gegen auftretende Ängste ist es ratsam die geltenden Regeln zur Eindämmung des Virus einzuhalten und zugleich den Medienkonsum auf das Notwendigste zu beschränken. „Außerdem sollte man sich alles Positive im Leben vor Augen halten. Etwa, dass wir Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln haben, eine gutes Gesundheitssystem, viele digitale Möglichkeiten, und die Natur vor der Haustür haben“, zählt die Ärztin Beispiele auf. Wenn das nicht hilft, sollte man zum Arzt gehen, denn dann sind Gesprächstherapie oder Medikamente die beste Behandlung. Gegen verstärkt depressive Zustände hilft es, gelernte Tagesstrukturen so gut wie möglich einzuhalten. Sport, ausreichend Schlaf und die Pflege von sozialen Kontakten per Telefon oder Videokonferenz sind hilfreich. Schlecht ist, gar nichts mehr zu tun. „Wer mit verstärktem Suchtverhalten zu kämpfen hat, sollte für Ablenkung sorgen“, rät die Spezialistin. Die Dokumentation des Konsums mittels Listen oder indem man einen Angehörigen bittet, das Verhalten zu beobachten, ist auch sinnvoll.

Bewusst genießen und akzeptieren

„Bei allen Restriktionen und berechtigten Zukunftssorgen ist es gerade jetzt wichtig, Dinge aktiv und bewusst wahrzunehmen und genießen“, erklärt Dr. Kaufmann-Riegler. Das fängt bei kleinen Dingen an wie einem Stück Kuchen oder einem guten Film. Für die nähere Zukunft ist es entscheidend, die aktuelle Situation zu akzeptieren. Dabei hilft es, eine gewisse Vorfreude auf den Sommer zuzulassen, der unabhängig von möglichen Impfungen eine Entspannung bringt.

Foto: © Adobe Stock