Ok
Mehr Infos
Diese Seite verwendet Cookies.

Home / News / Aktuell / Plattfüße müssen nicht immer zum Problem werden

Plattfüße müssen nicht immer zum Problem werden

Plattfüße

Natürliches Phänomen im Kindesalter – Erwachsenen ermöglicht Operation Heilung

Spätestens seit Bud Spencers legendären Filmabenteuern als „Plattfuß“ ist der Begriff in aller Munde. Dabei handelt es sich beim Plattfuß eigentlich um einen Knick-Senk-Fuß, das heißt das „Längsgewölbe“ ist „eingesunken“ und der Vorderfuß nach außen geknickt. Wer von Natur aus ein eher flaches Fußgewölbe hat, kann damit möglicherweise sehr gut leben, weiß Orthopäde und Fußspezialist Priv.-Doz. Dr. Gerhard Kaufmann, Belegarzt am Sanatorium Kettenbrücke. Beim sogenannten erworbenen Plattfuß des Erwachsenen treten jedoch üblicherweise Schmerzen auf und eine Behandlung ist erforderlich.

Alle Kinder haben Plattfüße

„Im Alter von zwei Jahren haben fast alle Kinder platte Füße. Mit der Zeit verschwindet der Plattfuß im Rahmen der natürlichen Entwicklung. Auch rund 15 Prozent der Jugendlichen haben noch einen flacheren Fuß“, weiß der Facharzt. Im Erwachsenenalter bewegen sich noch etwa zehn Prozent der Bevölkerung auf flachem Fuß – gewöhnlich ohne besondere Beschwerden. Nur ein Bruchteil der Kinder mit Plattfuß benötigen tatsächlich eine Therapie. Eine orthopädische Untersuchung ist daher auf jeden Fall empfehlenswert.

Kritisches Alter zwischen 45 und 65 Jahren

Zum erworbenen Plattfuß kommt es meist später, besonders zwischen 45 und 65 Jahren. „Dabei handelt es sich bei diesem pathologischen Befund um eine Überlastungsreaktion der wichtigsten Sehne für den Abrollvorgang des Fußes – der hinteren Schienbeinsehne. Es kommt zu einer Sehneninsuffizienz“, erklärt Dr. Kaufmann. Dabei entstehen Kalziumeinlagerungen in der Sehne. Deren Struktur geht teilweise verloren, indem das wichtige Kollagen in der Sehne durch elastische Fasern ersetzt wird. Die Sehne verhält sich dann zunehmend wie ein Gummiband, ihr Zug führt nicht mehr zu einer Stellungsoptimierung und Stabilisierung des Fußes. Für ein Prozent der Betroffenen ist die Entwicklung auf ein traumatisches Problem zurückzuführen wie etwa ein Unfall durch einen unachtsamen Tritt in ein Loch im Boden.

Erkrankung verläuft in Phasen

PatientInnen mit erworbenem Plattfuß durchlaufen vier Stadien der Krankheit. In der ersten Phase kommt es zur Sehnenscheidenreizung. In der zweiten Phase entwickelt sich die Sehneninsuffizienz, bei der die Stellungsveränderung des Fußes noch korrigierbar ist. Es tritt das Leitsymptom des flachen Fußes auf. Zusätzlich kippt die Ferse nach außen. In Phase drei verändert sich die Form des Fußes so stark, dass die Veränderung nicht mehr korrigierbar ist. In Phase vier der Erkrankung schließlich kommt es zur kompletten Abnützung aller Fußgelenke inklusive des Sprunggelenks. „Die besondere Tücke dabei ist, dass der Verlauf für die Betroffenen anfangs schmerzhaft ist, dann in eine schmerzfreie Phase übergeht und schließlich erst im letzten Stadium wieder Schmerzen auftreten“, beschreibt Dr. Kaufmann.

Frühzeitige Erkennung ist entscheidend

Wichtig ist, die Krankheit in einem frühen Stadium zu erkennen. „Das klinische Leitsymptom ist ein Schmerz am Innenknöchel und dahinter, verbunden mit einem Instabilitätsgefühl und einer Unsicherheit beim Stehen und Gehen auf Zehenspitzen“, so der Spezialist. Auch wenn das Fußgewölbe merkbar einsinkt oder von hinten im Stehen durch die Abkippung des Fußes nach außen mehr als der 5. und ein Teil der 4. Zehe sichtbar sind, deutet das auf einen erworbenen Plattfuß hin. Wer im Schuh das Gefühl hat, mit der Ferse neben oder am inneren Rand der Sohle zu stehen, ist ebenfalls gut beraten einen Facharzt / eine Fachärztin zu konsultieren.

Komplette Heilung möglich

Ab Phase zwei der Erkrankung ist meist eine Operation nötig in Form des Ersatzes der betroffenen Sehne und der Optimierung der Position des Fersenbeins. Häufig liegt auch ein Bandriss am inneren Fußrand bzw. Fußgewölbe vor, der bei der OP ebenfalls behandelt wird. Nach etwa vier bis fünf Wochen erhalten die PatientInnen eine Schiene, mit der eine gewisse Belastung des Fußes wieder möglich ist. Am Beginn der Erkrankung werden meist Einlegsohlen zur Stabilisierung verordnet. Dabei ist es wichtig, regelmäßig zur ärztlichen Kontrolle zu gehen, damit eventuelle Verschlechterungen frühzeitig erkannt werden. Übergewicht, Diabetes, starke Überlastungen und schlechtes Schuhwerk können prädisponierende Faktoren darstellen. Dennoch ist die Erkrankung insgesamt schwer beeinflussbar und die Operation letztendlich der einzige Weg zurück zu gesunden Füßen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent entwickelt sich auch der zweite Fuß im Lauf der Zeit zum Plattfuß. Daher sollte dieser Fuß mitkontrolliert werden.

©AdobeStock