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Das Kreuz mit dem Kreuz

Junge Frau im Büro

Veränderungen in den Bandscheiben sind genetisch bedingt

Mit fortschreitendem Alter leiden fast alle Menschen gelegentlich unter mehr oder weniger starken und ausdauernden Rückenschmerzen. Mitunter sind dafür die kleinen „Stoßdämpfer“ zwischen den Wirbeln, die Bandscheiben, verantwortlich. Dass Beschwerden in diesem Bereich auftreten, ist dabei völlig normal, weiß der Ärztliche Direktor des Sanatorium Kettenbrücke und Leiter des Wirbelsäulenzentrums, Neurochirurg Dr. Michael Gabl. Er hat Tipps, wie wir die Bandscheiben effektiv schonen.

Genetisches Programm

„In unseren Bandscheiben läuft ein genetisches Programm ab, das sicherstellt, dass wir auch im Alter noch aufrecht gehen können“, erklärt Wirbelsäulenspezialist Dr. Gabl. Die Wirbelsäule versteift sich im Lauf der Jahre, ihre natürliche Krümmung nimmt ab und passt sich so der mit dem Alter veränderten Statur des Körpers an. Möglich ist diese Entwicklung unter anderem durch Veränderungen in den Bandscheiben. Diese verlieren ab einem Alter von etwa 30 Jahren an Höhe und Stabilität.

Symptome sind normal

Bandscheiben können im Zuge der Degeneration einreißen. Es kann sich auch Gewebe in Richtung des Nervenkanals verlagern. Drückt eine Bandscheibe auf einen Nerv, entsteht Schmerz. „Der Höhenverlust der Bandscheiben kann Entzündungen des Gewebes hervorrufen. Wir sprechen dann von Lower Back Pain“, beschreibt Dr. Gabl die Entstehung des tiefsitzenden, sogenannten diskogenen Kreuzschmerzes. Diese Beschwerden erleben fast alle Menschen im Lauf des Lebens und in 96 Prozent der Fälle sind die Symptome auch ohne Behandlung nach einiger Zeit wieder vorbei.

Differenzierte Situation bei Bandscheibenvorfall

„Der klassische Bandscheibenvorfall mit ausstrahlenden Schmerzen ins Bein klingt in neun von zehn Fällen innerhalb von sechs bis acht Wochen relativ unabhängig von der Behandlung wieder ab“, so der Spezialist. Konservative Therapieformen in dieser Phase dienen dazu, die PatientInnen gut über die vorübergehende Beschwerdephase zu bringen. Dauern die Schmerzen jedoch länger als sechs Wochen unvermindert an, werden zur Verhinderung chronischer Nervenschäden operative Möglichkeiten in Betracht gezogen. Deren Erfolg hängt oft vom richtigen „Timing“ ab. Generell rät Dr. Gabl daher, Kreuzschmerzen, die eine Woche andauern, abklären zu lassen. Neben Bandscheibenproblemen könnten in seltenen Fällen auch andere Erkrankungen wie Entzündungen, osteoporotische Wirbeleinbrüche, Infektionen oder Tumore Grund für die Beschwerden sein.

Bei Nervenschäden ist Faktor Zeit entscheidend

Gefühlsstörungen, Lähmungen, Blasen- oder Mastdarmfunktionsstörungen deuten auf einen Nervenschaden hin. Liegen diese Symptome vor, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. „Damit sich derartige Ausfälle wieder zu 100 Prozent zurückbilden, muss innerhalb von 48 bis 72 Stunden operiert werden. Da hilft keine Physiotherapie, das belegen auch aktuelle Studien“, sagt Dr. Gabl. Aus diesem Grund ist bei Auftreten von neurologischen Ausfällen eine unverzügliche ärztliche Abklärung notwendig. Das Wirbelsäulenzentrum am Sanatorium Kettenbrücke bietet umfassende fächerübergreifende Leistungen in diesem Bereich.

Gesunden Mittelweg für Prävention

Weil die Operation den Verlauf der Bandscheibendegeneration insgesamt nicht beheben kann, ist Prävention durch einen entsprechend rückenschonenden Lebensstil das beste Mittel, um Schmerzen in Grenzen zu halten. „Es gibt eine klare Korrelation zwischen dem Ausmaß an körperlicher Aktivität und der Inzidenz für Bandscheibenprobleme“, weiß der Neurochirurg. Dabei sind keine Bewegung, Rauchen und Übergewicht genauso schlecht wie eine dauerhafte maximale Rumpfbelastung durch zu intensivem Training. Der „gesunde Mittelweg“ liegt bei drei bis sechs Stunden körperlicher Bewegung pro Woche. Dabei hilft auch schon Spazierengehen, wobei ein ideales Trainingsprogramm für den Rücken aus etwa drei Stunden Ausdauer- und Grundlagentraining, zwei Stunden einer Sportart, die Spaß macht, und einer Stunde Rumpftraining für Beweglichkeit und Kraft bestehen sollte. So bleibt das „Kreuz mit dem Kreuz“ auch im Alter zumindest überschaubar.

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