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Ängste vor der "neuen Normalität" überwinden

Frau mit Maske

Dr. Nicole Kaufmann-Riegler, Fachärztin für Psychiatrie analysiert die Herausforderung und gibt Tipps

Wochenlanges Daheimbleiben, Einsamkeit und permanente Überforderung durch Job und Unterrichten der Kinder, Angst vor der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Zukunft – diese Situation prägte in den letzten Wochen der Ausgangssperre unser Leben. Nun kommt die „neue Normalität“: Wir dürfen wieder mehr unter Leute, aber das birgt Gefahren und erfordert Vorsicht und Augenmaß. Für viele Menschen ist auch diese Situation mit erheblichen Ängsten verbunden. Psychiaterin Dr. Nicole Kaufmann-Riegler vom Sanatorium Kettenbrücke erklärt die Herausforderung und gibt nützliche Tipps.

Mit Ungewissheit leben lernen

„Insgesamt ist es positiv zu sehen, dass wir die Isolation schrittweise verlassen, denn die negativen psychischen Folgen in der Ausgangssperre verstärken sich, je länger diese dauert und erschweren den Weg zurück zur Normalität“, erklärt Dr. Kaufmann-Riegler. Mit der Öffnung zur „neuen Normalität“ entstehen aber auch andere Ängste: Die Angst vor der Ansteckung ist immer da und niemand weiß, wie sich die schrittweise Öffnung auf die Verbreitung des Virus auswirken wird. „Wir müssen lernen, mit dieser Ungewissheit zu leben, die für uns sehr ungewohnt ist“, so die Ärztin. Das Einhalten der Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand halten und das Befolgen der neuen Hygienevorschriften am Arbeitsplatz oder in der Schule geben eine gewisse Sicherheit.

Die Zeit hilft

„Mehr Sicherheit im Alltag kommt mit der Zeit, wenn man ein Gefühl dafür bekommt, was gut funktioniert“, sagt Dr. Kaufmann-Riegler. Eine Rückkehr zur früher gewohnten „gesunden Sorglosigkeit“ stellt die Psychiaterin jedoch nicht so schnell in Aussicht. Zu groß ist der aktuelle Einschnitt in unser Leben und zu wenig lässt sich derzeit noch abschätzen welche psychischen Folgen auf Grund der Pandemie zu erwarten sind.

„Lebe den Tag“

Ein hilfreicher Zugang ist, sehr stark im Hier und Jetzt zu leben. Dazu hilft es, nicht zu viel über die Zukunft nachzudenken und etwa Medien nur soweit notwendig zu konsumieren, um am aktuellen Stand der Dinge zu sein. Besonders ängstliche Menschen sollten sich mit Menschen umgeben, die dem Ganzen etwas gelassener gegenüberstehen. Es ist nicht ratsam, schwerwiegende Entscheidungen in dieser Zeit zu treffen, weil es zu starken Gefühlsschwankungen kommt in der Situation der Unsicherheit. Sinnvoll wäre, den Tagesablauf zu strukturieren und lange aufgeschobene Aufgaben zu erledigen. 

Jede/r Einzelne sollte sich auch darauf besinnen, ihren/seinen Beitrag zur Minimierung der Ansteckungsgefahr zu leisten. Wer versucht, ein gewisses Vertrauen in die weitere positive Entwicklung der Ereignisse zu bilden, lernt besser mit der unsicheren Situation umzugehen. „Es muss uns bewusst sein, dass wir mit einer uns völlig neuen Situation konfrontiert sind, mit der wir erst lernen müssen umzugehen“, meint Dr. Kaufmann-Riegler abschließend.

Foto: schutterstock